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Versprechen und Zusagen, selbstbetrachtungen.

Was bekommen die Empfänger der Wahlaussagen wirklich ?

Der Bekanntheitsgrad trägt weit. Die Chancen stehen besser für „vertraute Gesichter“ und es dürfte kaum überraschen das Bewerber mit nach außen ausgerichteter Persönlichkeit leichter von sich einnehmen können.

Hinter den Einzelnen Kandidaten bestehen Parteien und Vereinigungen, ein Sammlungsbecken, möglicherweise etwas anleitend was die Richtung und die Themen angeht.

Quelle für die Themensetzung und Aussagen sollte in einer Gemeinde sein was die Gemeinde, die Bürger, bewegt. Die notwendige Kommunikation dafür ist leider nicht immer gegeben. Oft läuft ein Austausch mehr zwischen einzelnen „sich aktuell betroffen fühlenden“ und Gemeindepolitik zu Themen die in ihrem Umfang von „einer handvoll Personen“ bis zu „ganzer Ortsteil “ reichen.

Wie kommt nun der Mandatserstrebende zu seinen „Angeboten“ und zu seiner Ausrichtung um besonders „wählbar“ und damit erfolgreich zu werden ?

Manche stellen ihre Tätigkeiten nach vorn ins Schaufenster. Zählen Eigenschaften auf die sie sich selbst zuschreiben. Versuchen keine „negativen“ Punkte zuzulassen, keine Ecken und Kanten mit Reibungsrisiko sondern nur „positives“ .

Und genau so lesen sich dann die Digitalen und gedruckten Wahlmittel.

Ab und zu bestehen Themen die eine Positionierung erzwingen. Wo es kein ausweichen gibt. Dann stellen sich die Listen und Kandidaten leichter verortbar auf ( nun soll es ja vorkommen das nach der Wahl…) .

In unserer Bürokratie frisst die Planung und Genehmigung und Verfahren viel Zeit. Wahlversprechen können in einem Rahmen von 6 Jahren auch so langsam in der Umsetzung sein das jemand altersbedingt ( oder zB Umzugsbedingt ) ausscheidet bevor man beurteilen kann was das Ergebnis ist. Natürlich steht durch die Abstimmung in Räten eine Grenze in Form von notwendigen Mehrheiten. Praktisch bedeutet es das sehr gegensätzlich zusammengesetzte Räte mehr Diskutieren, vielleicht länger brauchen um Einigkeit herzustellen. Andererseits können sehr „konforme“ , fast schon Unterschiedslose Zusammensetzungen, möglicherweise schneller Punkte abhaken aber die Bandbreite der Gemeinde schlechter vertreten und vertreiben langfristig die Wähler vom mitmachen hin zu Opponieren. ( zB Bürgerinitiativen ).

Die unsichtbaren Leitplanken

Wieso unsichtbar ?

Jetzt fragt sich doch jeder warum es nicht mehr Wissen bei den Wählern und Bewerbern um Mandate gibt wo solche einschränkenden Faktoren liegen.

Eine Möglichkeit der Erklärung : es ist etwas weniger angenehm den Handlungsspielraum als begrenzt wahrzunehmen und anschließend zur Kandidatur zu Motivieren.

Die Kommunalpolitik täte deshalb gut daran die Schlüsselstellen bei Entscheidungen bekannt zu machen damit Beteiligungsverfahren durch Beteiligung gestützt und Bürger wissen wo die Weichen gestellt werden damit sie ihre Vertetung entsprechend organisieren können.

Das ist auch eine Machtfrage! Wenn die „wissenden“ ihre Vorstellungen passend platzieren können und die „unwissenden“ dadurch an Einfluss beschnitten werden , verschärft das eine Bildung von Zirkeln, von Blasen, von Pseudo-eliten, weil ein Streben nach eigenem Einfluß für Menschen keine ungewöhnliche Denkweise ist.

Das heißt wer die Abläufe kennt, wer Zugang hat, wer Reichweite hat kann mehr Einfluß haben als vorgesehen und die eigentlich den Kurs „wählenden“ stehen immer wieder als beinah schon „kalt-gestellt“ da. So erzeugt man unzufriedenheit. So erzeugt man das Gefühl es ändert sich nichts. Verdruss statt Teilhabe.

Die Folge ist eine Aufgabenstellung die von mehreren Seiten kommt. Die Gesetzgebende Seite stellt Aufgaben und die Bürger stellen Aufgaben. Während die Bürger eine Behandlung der kurzen Wege als Gedanken haben, steht Staatlicherseits eine Bürokratie die Erfüllung von Vorgaben, abarbeiten von Listen, weiterreichen von Verantwortung liebt.

Eine Stadt erhält die Vorgabe eine Planung aufzustellen. Kann Verkehr sein, kann Gewerbe sein, kann Schulen und Bildung umfassen oder Wohnen. Heute auch Wärme und Vorranggebiete. DIese Planungen sind keine 1 Jahres Pläne, keine 5 – Jahres Pläne, eher 10-20 Jahre sollen „geplant“ werden. Sie entstehen dann mit Gutachten und expertisen, mit Zielsetzungen und Berichten, mit Festlegungen die manchmal nicht herausgelöst werden können.

Der Umfang der Themen im Stadtrat und die Zeitschiene erschweren den Überblick. DIe vielen Maßnahmen und Pläne und Verpflichtungen der Verwaltung positionieren zahlreiche Leitplanken . Legt man als Ziel ÖPNV stärken fest, hängen veränderungen an den Daten der Vergaben für die bereitstellung des ÖPNV weshalb ein Gemeinderat zwar kleinere Änderungen einleiten kann aber größere zu dem jeweiligem Datum der Vergabe für x-y-z-Jahre angebunden sind. Wer in einen Gemeinderat will hat also eine Leitplanke in form der Zeitschiene auf der ein Thema läuft. Zudem eine weitere Leitplanke in der langfristigen Zielsetzung. Das multipliziert und kombiniert sich mit jedem Teilaspekt und was einmal installiert ist ist schwer wieder zu verändern.

Welcher Bereich liegt im Zugriff der Räte ?

Machen sich die Kandidierenden vorher Gedanken wo sie wirken werden und wo nicht ?

Wer zur wiederwahl antritt, durfte kennenlernen was in seinen Bereich fällt. Für die möglichen „neuen“ heißt es entweder vorher Informationen sammeln oder bei Mandatserteilung versuchen hineinzufinden in den Betrieb.

Der Landkreis befasst sich mit Einrichtungen für mehrere Gemeinden. Zudem ist er ein Teil des Staates mit staatlichen Aufgaben. Kreisfreie Gemeinden können mehr selbst bestimmen, als Gemeinden innerhalb eines Landkreises. Deshalb würde zB die Große Kreisstadt Landsberg eine Entscheidung im Bauwesen regeln können ohne vom Landkreis überstimmt zu werden während ein Markt zwar selbst handeln darf aber den Kreis als darüber liegenden Entscheider hat und es vorkommen kann das betroffene versuchen etwas vom Kreis zu bekommen was die Gemeinde verweigerte.

Trete ich an um im Feld „Mobilität “ zu wirken, muß mir bewusst sein das es keine völlige Gestaltungsfreiheit gibt sondern eine STVO für alle, muß ich damit arbeiten das ich kein “ Muster “ keine “ Schablone für alle “ sein kann . Hat mein Thema Auswirkungen , weil zB ein Wettbewerb zwischen Gemeinden entstehen kann , sollte ich vielleicht keinen Nachbarschaftsstreit vom Zaun brechen. Man sollte die Grenzen die es gibt kennen.

Der Wirkungskreis ist erlernbar. Er wird sich vermutlich kaum ändern. Er ist nur einer der vielen Rahmen um die Tätigkeit herum. Wer vorbereitet sein will sollte sich einlesen wo sein Wrikungskreis jeweils sein wird um nicht enttäuscht zu werden.

Woraus besteht der Kreis der wieder-oder neu gewählten ?

Wählergruppen, Vereine und Parteien stellen Listen auf. Mit dem Ziel Mandate zu erhalten.

Wer ist für diese Listen besonders interessant ?

  • bei Wahlen ist ein Bekanntheitsgrad unter den Wahlberechtigten hilfreich
  • Gesichter und Namen sind oft gemeinsam bekannt , aber manchmal ist schon eine hälfte der zwei Möglichkeiten ein Türöffner
  • daraus folgt eine hohe Bereitschaft jene die man schon in anderen Funktionen kennt gerne aufzustellen um von den beiden Punkten oben zu Profitieren
  • manchmal sucht man weitere Fähigkeiten und Kenntnisse um Listen abzurunden
  • lokale Verwurzelungen in teilen einer Gemeinde sind wertvoll weil Verwaltungsgemeinschaften und Städte mit Ortsteilen eine gewisse Unterteilung und „örtliche nähe“ der Wähler zum Bewerber haben. Ein Bezug der Vorteile bietet.
  • Bewerber aus Vereinen und Gruppierungen wird ein leichterer Zugang zu den anderen Mitgliedern unterstellt, man erhofft dadurch den eigenen Zugang zu verbessern.

Zusammengefasst ergibt sich ein Bild. Wen man kennt „wie ein bunter Hund“, wen man für allgemein bekannt hält, wer Zugang zu möglichen Wählern zu bieten scheint der hat gute Karten auf aussichtsreiche Plätze auf den Listen.

An welcher Mechanik liegt diese Auswahl ?

Die Logik hinter der Einschätzung von bereits vorhandener Bekanntheit als wichtigem Faktor ist das Verhalten der Wähler gegenüber dem Angebot in der Vergangenheit. Wenn sich wiederholend die Stimmen vor allem bei bestimmten Faktoren sammeln, erzeugt das eine Zielsetzung dies für den Wahlvorschlag bestmöglich einzusetzen.

Wahlvorschläge enthalten einzelne Personen in derselben Menge wie Mandate zu vergeben sind. Allerdings wird hier nicht auf einzelne Mandate beworben bei den Listen, nur die Wahlen der Bürgermeister ( und OB ) sind ein direktes Aufeinandertreffen von einzelnen Personen.

Die Listen bekommen Stimmen und die Gesamtzahl der Stimmen bestimmt den Prozentualen Anteil dieses Wahlvorschlags an den zu vergebenden Mandaten. Wessen Liste zB 10% der Stimmen erhält hätte bei 30 Mandaten für den Rat einen Anspruch darauf 3 Mandate zu besetzen. Die Reihenfolge der Listenkandidaten für die Besetzung dieser Mandate erfolgt gemäß den erhaltenen Stimmen. Bei 3 Positionen würden die 3 Kandidaten ( auch Kandidatinnen ) mit den 3 höchsten werten bei den Stimmen aufgefordert zu entscheiden ob sie die Wahl annehmen. Nehmen sie an, erhalten sie ein Mandat. Lehnt jemand ab rückt die bei den Stimmen auf Platz 4 befindliche Person nach und dürfte ebenfalls entscheiden.

Das heißt es ist sinnvoll Bewerber zu finden die Stimmen erhalten und auch eine Wahl annehmen, aber mit der Wahrscheinlichkeit das niemand 100% der Mandate erreicht ist auch eine begrenzte Menge an Kandidaten die nur Stimmen sammeln wertvoll für den Gesamterfolg.

Der Grund für komplette Listen ist in der Mechanik: „viele sammeln viele stimmen“ zu suchen.

Wer nur die aussichtsreichsten Bewerber aufstellen würde, oder nur zur Wiederwahl aufstellen würde, hätte einen Nachteil. Weil es möglich ist stimmen zu verteilen und stimmen komplett einer Liste zu geben haben kurze Listen oft einerseits gute Chancen ein Mandat zu erreichen und dabei sogar weniger stimmen für diesen Kandidaten zu benötigen und gleichzeitig schlechte Chancen mehr als ein Mandat zu bekommen.

Damit können viele kleine Listen eine Wirkung auf andere erzeugen in dem sie Mandate bekommen mit weniger stimmen für ihre Mandate und größere Listen haben Kandidaten mit mehr stimmen aber ohne Mandat.

Für Bewerber mit dem Willen ein Mandat zu erhalten kann eine kleine Gruppierung zum Erfolg führen. Allerdings sind die großen immer bemüht die Bewerber denen man zutraut Erfolg zu haben für ihre Liste zu gewinnen und die Unterstützung und Mittel sind auch größer dort.